Wasser im Erzgebirge - ein echter Zukunfts- und Klimafaktor

Rückblick

Ende Februar 2026 waren wir zu Gast in Zwönitz (Erzgebirge). Während einer Wasserverkostung sprachen wir darüber, wie das Wasser aktuell mengen- und qualitätsmäßig in der Region aufgestellt ist und über dessen künftige Bedeutung.

Blick durch den Saal nach vorn, wo gerade die Auflösung der Wasserverkostung stattfindet

Endlich mal ein Vortrag in einer Region, wo das Wasser weder mengen- noch qualitätsmäßig besonders auffällig war!

Auf Einladung von Zwönitz Miteinander e.V. waren wir zu Gast mit unserer Wasserausstellung und einem Vortrag, der das Wasser in der Region in den Fokus nahm. Zwönitz liegt wie in einer "Oase": Hier fällt - wie im gesamten Erzgebirge auch - deutlich mehr Niederschlag im Vergleich zum sächsischen Durchschnitt. Dieser wird in Mooren und Feuchtgebieten, auf Wiesen und in Wäldern ringsum Zwönitz gut gespeichert - ein natürlicher Hochwasser- und Dürreschutz. Die durchschnittliche Grundwasserneubildung im engeren Umfeld der Gemeinde lag im Zeitraum 1988 - 2020 zwischen 75 und 150 mm pro Jahr - Werte, von denen viele andere Orte in Sachsen nur träumen können. Die Belastungen mit Schwermetallen und Schadstoffen halten sich in Grenzen. Das ist in einer Gegend, wo über Jahrhunderte hinweg Bergbau betrieben worden ist, kein Automatismus und sieht an anderen Stellen im Erzgebirge ganz anders aus. Auch der Nitratwert im Grundwasser ist auf den ersten Blick unauffällig. Teils erhebliche Belastungen mit Arsen, Kupfer, Nickel und Zink in Boden, Grund- und Oberflächenwasser finden sich ringsum von Zwönitz: etwa in Aue, Bad Schlema und der Zwickauer Mulde sowie in und um Annaberg-Buchholz, Marienberg und Schwarzenberg. Erhebliche Nitratbelastungen beginnen erst westlich von Kirchberg und südlich von Stollberg. Waldgebiete ringsum Zwönitz wirken zusätzlich als Wasserfilter. Nach einem langen Versickerungsprozess durch ein Labyrinth aus porösem Gestein, Mikroorganismen und Wurzeln kann sich hier sauberes Grundwasser bilden.

Ganz frei von Problemen ist auch Zwönitz nicht: Die Zwönitz gilt als signifikant hochwassergefährdetes Gewässer. Das verwundert nicht angesichts des überdurchschnittlichen Niederschlags. Auch befinden sich oberhalb von Zwönitz auf dem westlichen Erzgebirgskamm gleich zwei bedeutsame Hochwasserentstehungsgebiete mit Schwarzwasser und Zschopau. Die vielen Talsperren in näherer und weiterer Umgebung - wie etwa in Eibenstock, Sosa und Cranzahl - dienen vor allem der Trinkwassergewinnung und dem Hochwasserschutz. Doch angesichts der fortschreitenden Klimakrise und der damit einhergehenden Veränderung beim Niederschlag (mehr Starkregenereignisse, mehr Niederschlag in Frühjahr und Winter, dafür weniger im Sommer) ist diese multifunktionale Nutzung immer mehr ein schwieriger Balanceakt zwischen Auffüllen für lange und trockene Sommer und Ablassen für das Abpuffern von Hochwasser. 
Nicht eingehaltene Orientierungswerte bei Ammonium-Stickstoff, Gesamtphosphor, Nitrit-Stickstoff, Orthophosphat-Phosphor sprechen dafür, dass Abwässer in die Zwönitz gelangen. Hier sollte geschaut werden, wo die Quellen liegen, um dies künftig zu verhindern.

Zusammenfassend lässt sich für Zwönitz, aber auch verallgemeinernd für das Erzgebirge, sagen: 

  1. Das Erzgebirge ist für die (Trink-)Wassergewinnung in der Region, künftig aber wohl auch weit über die Region hinaus, enorm wichtig. Wenn in anderen Teilen Sachsens das Wasser knapp wird - sei es aufgrund der fortschreitenden Klimakrise oder einer verstärkten Nutzung oder beidem -, werden die Bedarfe an Wasser aus dem Erzgebirge steigen. Talsperren und (Verbund-)Infrastrukturen werden künftig immer mehr an Bedeutung gewinnen. Doch für die Erweiterung oder Ertüchtigung werden enorme Kosten anfallen.
    Die multifunktionale Nutzung von Talsperren (Absicherung der Brauch- und Trinkwasserversorgung, Hochwasserschutz, Stützen bei Niedrigwasser) ist bereits heute kniffelig für die Landestalsperrenverwaltung. Es ist zu erwarten, dass dies in einer fortschreitenden Klimakrise noch schwieriger wird.
  2. Die Feuchtgebiete und Wälder im Erzgebirge sind sowohl erheblich klima- als auch wasserrelevant (Niederschlag, Kühlung, Wassermenge, Wasserqualität). Zugleich dienen sie dem Hochwasserschutz (Wasserspeicher). Ihre Bedeutung wird mit fortschreitendem Klimawandel weiter zunehmen. Daher ist es wichtig, die bestehenden Wald- und Feuchtgebiete zu erhalten, ggf. zu schützen bzw. zu renaturieren. 
    Die Flexibiliserung von bislang reinen Entwässerungsgräben ist sinnvoll, aber dürfte enorme Kosten verursachen. Sie würde ermöglichen, dass das Wasser sowohl kontrolliert abfließen kann (wenn zu viel davon da ist) bzw. aufgefangen werden kann, um Wasser vor Ort zu halten.

Während des Abends wurden 6 Wasser gekostet und beurteilt. Vier davon stammten aus Quellen in Sachsen. Es hat großen Spaß gemacht, gemeinsam nach salzigen, bitteren, süßen, harten und weichen Noten im Wasser zu suchen und auch zu finden! Die Sinne für das oftmals eher unterschätzte Leitungswasser wurden auf jeden Fall geschärft. 
Vielen Dank für die tolle Vorbereitung durch Katrin Mulcahy und das gesamte Team von Zwönitz Miteinander!

Der Vortrag kann hier abgerufen werden: 

 

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