Belastet und verbaut: Fließgewässer in Limbach-Oberfrohna

Auf Einladung des Landschaftspflegeverbands Westsachsen/ Kreisnaturschutzstation Gräfenmühle haben wir einen Blick auf Fließgewässer und Grundwasser rings um Limbach-Oberfrohna geworfen. Neben Belastungen des Wassers sind verbaute und kanalisierte Bäche ein Problem.

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Blick auf den Frohnbach

Vom 28. März bis 16. Mai 2025 ist unsere Ausstellung "Alles im Fluss!? Wasser in der Krise" im Hippodrom in Limbach-Oberfrohna (bei Chemnitz) zu sehen. Das Hippodrom liegt inmitten des Stadtparks. Der Frohnbach begrenzt den Park im unteren Bereich. 

Zur Eröffnung der Ausstellung sind wir eingeladen worden, einen Vortrag über die Wassersituation in Limbach-Oberfrohna zu halten. Zahlen gibt es dazu viele. Sie sprechen eine deutliche Sprache. 

  • Das Grundwasser in der Region ist nitratbelastet
  • In der nahe gelegenen Zwickauer Mulde finden sich Arsen, Zink und Cadmium - Hinweise auf Altlasten des Bergbaus, der aus wasserwirtschaftlicher Sicht in Sachsen eine große Herausforderung darstellt. 
  • Bei Frohnbach und Pleißenbach fällt die Überschreitung bei PFOS, einer Ewigkeitschemikalie der PFAS-Stoffgruppe, auf. Die Werte liegen über dem zulässigen Jahresdurchschnitt. PFAS sind extrem langlebig. Deshalb werden sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt. Nach ihrer Aufnahme – z.B. durch den Verzehr von Fisch oder belastetes Wasser - reichern sie sich im menschlichen Körper an und gefährden unsere Gesundheit. 
  • Erhöhte Belastungen mit Quecksilber und bromierten Diphenylethern treten in allen betrachteten Bächen und der Zwickauer Mulde auf. Quecksilber zählt zu den prioritären gefährlichen Stoffen. Es gelangt über verschiedene Pfade in Fließgewässer: Heute sind es vor allem diffuse Einträge (z.B. aus der Kohleverbrennung) und (re)mobilisierte, belastete Sedimente. Bromierte Diphenylether reichern sich in Organismen über die Nahrungskette an. Sie wirken neuro-, immun- und lebertoxisch, beeinträchtigen die Fortpflanzungsfähigkeit, können fruchtschädigend wirken und sind krebserzeugend. Sie fanden breite Anwendung als Isolier- und Kühlflüssigkeiten in Elektrobauteilen, für dauerelastische Dichtungsmassen, als Weichmacher und Flammschutzmittel für Lacke, Farben und Harze, als Weichmacher in Kunststoffen, aber auch in Ölen, Klebstoffen sowie in Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln.

Ein Spaziergang entlang des Frohnbachs macht aber noch eine weitere Herausforderung deutlich: Alle Fließgewässer sind in einem unbefriedigenden, der Frohnbach sogar in schlechtem ökologischen Zustand. Der Grund: Zahlreiche Querbauwerke versperren das freie Fließen. Der Frohnbach wird auf 16 Kilometer Länge durchschnittlich aller 260 Meter gestoppt, gestaut bzw. hat Stufen zu überwinden. Der bundesdeutsche Durchschnitt liegt bei 2.000 Metern und auch das ist problematisch. Bereits kurz hinter dem Stadtpark wird der Frohnbach in einen unterirdischen Kanal gezwungen und taucht wenig später in einem komplett ausgebauten Bett aus Steinen wieder auf. Damit verwundert es auch nicht, dass sich Fische und andere Wasserorganismen nicht darin wohl fühlen. Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels - durch lokalen Starkregen und lang anhaltende Trockenheit - besteht hier erheblicher Handlungsbedarf. Das gezielte Öffnen und Renaturieren an geeigneten Stellen würde die Resilienz der Gewässer gegenüber Extremen erheblich verbessern. Anwohner*innen würden nicht nur mehr Natur genießen können, sondern auch von natürlicher Hochwasser- und Dürrevorsorge profitieren.

Weitere Zahlen können Sie dem Vortrag entnehmen, der als Datei auf der Seite zur Verfügung steht.

Was ist also zu tun?

  • Für den Landkreis Zwickau gibt es seit Kurzem einen Fachberater Gewässer, der die Kommunen des Landkreises Zwickau bei Fragen zur naturnahen Entwicklung der Gewässer 2. Ordnung fachlich berät und unterstützt. Er ist als Schnittstelle zwischen Behörden, Gemeinden und weiteren Beteiligten zu verstehen und ansprechbar! Maßnahmen können und sollten mit ihm besprochen werden.

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  • Das Fachzentrum Klima im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bietet Online-Sprechstunden unter dem Titel "Eine Stunde fürs Klima" an. Am 5.6.2025, 10 Uhr, gibt es eine Sprechstunde zu "Naturnaher Gewässerentwicklung für Kommunen"! Außerdem bietet das Fachzentrum Klimaanpassungsbegleitung für Kommunen an sowie zum Einstieg Broschüren zu kommunaler Klimaanpasung (Hitze, Starkregen,...)

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  • Die Übersicht über Fördermaßnahmen für Klimaschutz und Klimaanpassung kann bei ganz konkreten Maßnahmen helfen.

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  • Das Zuschussprogramm "Natürlicher Klimaschutz in Kommunen" der KfW unterstützt Vorhaben mit einem Zuschuss in Höhe von 80 % bis 90 % der Kosten! Das Programm wurde ausgeweitet auf die Förderung von Maßnahmen zur Wieder­herstellung der natürlichen Bodenfunktionen durch Entsiegelung, um die Aufnahme- und Speicherfähigkeit für Niederschläge zu verbessern. 

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