Elbe-Überleitung: Pro & Kontra

Wasser aus der Elbe zum Stützen der vom Kohleabbau stark beeinflussten Lausitz?
Die Idee eines Elbe-Überleiters ist nicht neu, sondern kursiert seit den 1990er Jahren - mal mit mehr, mal mit weniger Vehemenz.
Oberstes, aber auch das am weitesten entfernte Ziel ist dabei, den Wasserhaushalt in der Lausitz wieder auszugleichen und irgendwann sich wieder selbst überlassen zu können. Unter dem Abbau der Kohle hat dieser erheblich Schaden genommen. Es gibt nur wenige Lausitzer Zipfel, die unbeeinflusst blieben.
Doch näher liegen aktuellere Sorgen, die nicht nur Umwelt- und Natur- sowie Gemeinwohlbelange betreffen, sondern auch privatwirtschaftliche Interessen berühren:

  • Woher bekommt die LEAG ausreichend Wasser für die letzten zu flutenden Seen?
  • Mit welchem Wasser lassen sich Wasserbedarfe der Region (z.B. für Haushalte und Industrie) bedienen und darüber hinaus?
  • Wie sichert man einen Mindestabfluss von Flüssen in der Region (allen voran der Spree), wenn die Sümpfungswasser wegfallen?
  • Wie lassen sich Verdunstungsverluste aus den zahlreichen neuen Seen ausgleichen bzw. verhindern?

Im Ringen um die beste Lösung stehen sich zwei unterschiedliche Ansätze gegenüber: der technik- und der naturbasierte. Was die Defizite bei Wassermenge und Wassergüte in der Lausitz anbetrifft, kommen beide zu ähnlichen Ergebnissen. Bei der Problemlösung unterscheiden sich beide jedoch erheblich. Stellt der erstere eine technische Maßnahme (Überleitung) in den Vordergrund, liegt für den zweiten Ansatz die Lösung in der Natur selbst. Weniger menschlich überprägte Landschaft entlang der Flüsse zugunsten eines natürlichen Wasserrückhalts in der Fläche.

Wir nehmen die aktuell wieder aufflammende Diskussion um eine Elbe-Überleitung zum Anlass, uns Schwach- und Fehlstellen in der Debatte anzuschauen, die bei der Suche nach einer Lösung aber von erheblichem Interesse sind. Wir zeichnen Interessen, politische und wirtschaftliche Positionen nach und erhoffen uns damit, ein weiteres Informations-Puzzleteil zur Diskussion um die beste Lösung beitragen zu können.

Wo das Wasser fehlt

Lausitz

Enorme Mengen an Grundwasser wurden in den vergangenen Jahrzehnten auf einer Fläche von rd 2.500 Quadratkilometern (vergleichbar mit der Größe des Saarlandes) in der Lausitz abgepumpt, um den Kohleabbau zu ermöglichen. Allein im Jahr 2015 waren es 410 Mio. Kubikmeter/Jahr (LMBV 2009). Mit diesem sogenannten Sümpfungswasser sind bislang viele ehemalige Tagebaue in Seen umgewandelt worden. Es dient aber auch als Kühlwasser in den Kohlekraftwerken der Region. Abgepumtes Grundwasser wird aber auch in Flüsse (z.B. Spree, Schwarze Elster) eingeleitet oder deckt regionale Wasserbedarfe.

Für das Auffüllen des Grundwassers in der Region und das Fluten weiterer Seen besteht ein enormer Wasserbedarf noch über Jahrzehnte. Im Jahr 2038 wird für das Auffüllen von Tagebaurestseen und des Grundwassers - kurzum für die Beseitung der Schäden des langjährigen Braunkohleabbaus - ein Wasserbedarf von 5,7 Mrd m³ bestehen (edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=6912&dok_art=Drs&leg_per=8&pos_dok=1&dok_id=undefined).

  • Auf die LMBV entfallen jeweils 300 Mio. m³ Wasser für Seen und das Grundwasser.
  • Im Verantwortungsbereich des Tagebau betreibenden Unternehmens LEAG werden 5,1 Mrd. m³ Wasser benötigt.
    • 3,2 Mrd. m³ für das Auffüllen des sogenannten Porenraums im Grundwasserabsenkungstrichter
    • 1,9 Mrd. Kubikmeter m³ Wasser für die Bergbaufolgeseen.

Da das Bergbau betreibende Unternehmen für die Wiedernutzbarmachung der Flächen einschließlich wasserrechtlicher Maßnahmen zu sorgen hat (Bergbaurecht), liegt damit die künftige Hauptlast bei der LEAG.

Doch nicht nur die Bergbausanierung benötigt Wasser, sondern auch die Lausitzer Region selbst - Wasser für die Natur, die Menschen, Industrie, Land- und Teichwirtschaft.
Industriestandorte mit größeren Wasserbedarfen sind aktuell Schwarze Pumpe (Sachsen/Brandenburg) sowie BASF in Schwarzheide. Aber auch mit neuen Technologien will die Lausitzer Region Zukunft schreiben - so etwa mit Wasserstoff. Damit könnte sie auch künftig Energieregion bleiben, würde aber auch weiterhin größere Mengen Wasser benötigen.

Welches Wasserdargebot in der Lausitz tatsächlich den Wasserbedarfen gegenübersteht, lässt sich Stand heute schwer sagen.
Der natürliche Wasserhaushalt der Lausitz ist durch den zeitlich und räumlich weitgreifenden Kohleabbau extrem gestört und menschlich überprägt. Aussagen etwa zu einer (klimatischen) Wasserbilanz oder dem Wasserdargebot mit Parametern wie Niederschlag, Verdunstung, Versickerung sind für viele Kulturlandschaften Dank immer besserer Modelle und dem Ausbau eines funktionsfähigen Messnetzes möglich. Doch viele Daten in der Lausitz werden von der LEAG erhoben und sind damit nicht öffentlich, hydrogeologische Modelle sind (...) Eigentum der Bergbauunternehmen und stehen für behördliche Aufgaben nicht zur Verfügung (...)" (LfULG, 2021, S. 11). Die Entwicklung des Grundwassers heute und in Zukunft ist mehr Annahme als Wissen. Während sich Bedarfsmengen gut ermitteln lassen über zu füllende Hohlräume oder für verschiedene Bevölkerungs- und Produktionsentwicklungen, kann niemand für die Kohle-Folgelanschaft sagen, wo sich Grundwasser in welcher Höhe neu bildet, wo welche Wechselwirkungen zwischen Oberflächen- und Grundwasser bestehen, wie sich Dichtwände auf das Grundwasser auswirken etc.. Erfahrungen machten deutlich, dass etwa die Schwarze Elster streckenweise erheblich ins Grundwasser versickert und auch Tagebauseen ins Grundwasser entwässern (UBA, 2023, S. 110). Wieviel jeweils und wohin genau das Wasser geht, bleibt im Dunkeln. Aufgrund der geologischen Komplexität lässt sich auch für den Spreewald und den Muskauer Faltenbogen aktuell wenig Genaues sagen. (https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Grundwasser/Projekte/Bergbaufolgelandschaften/GWM-Lausitz/gwm-lausitz.html). 

Doch klar ist: Über die bisherigen wasserwirtschaftlichen Speicher und Talsperren lassen sich die enormen Wasserbedarfe nicht lösen bei Wegfall der Sümpfungswasser. Sie können jedoch den Abfluss von Flüssen stützen. Die Höhe von Mindestabflüssen ist dabei abhängig davon, ob die durch das Sümpfungswasser teils enorm vergrößerten Flüsse wieder auf ein natürlicheres Maß verkleinert werden oder nicht. 

Auch zu Verdunstungsraten gibt es viele Zahlen, die sich teils erheblich unterscheiden. Was aber klar ist: Über Wasser verdunstet mehr Wasser, als über Boden. Aus großen und eher flachen Seen wie etwa der Cottbuser Ostsee fallen Verdunstungsverluste größer aus als bei kleineren und tiefen, Mit über 30 Seen aus Tagebau-Restlöchern entsteht eine sehr große Seen- und damit Verdunstungsfläche in der Lausitz. Perspektivisch werden die Verdunstungsverluste noch größer, denn es kommen noch Seen aus den Restlöchern der drei heute aktiven Tagebaue in der Lausitz Reichwalde und Nochten (beide in Sachsen) sowie Welzow (Brandenburg) hinzu, die nach 2038 zu füllen sind. Die 2029 beginnende und bis voraussichtlich 2040 geplante Flutung der drei Bergbaufolgeseen des Tagebaus Jänschwalde steht ebenfalls noch an (vgl. UBA, 2023, S. 93). 

Zu all den bisher aufgezählten Herausforderungen kommt die fortschreitende Klimakrise hinzu: Zunehmend heiße und trockene Sommer lassen Grundwasserstände sinken, Bäche und Flüsse führen weniger Wasser. Verdunstungsverluste nehmen zu. Kommen noch trockene Winter - wie etwa im Jahr 2026 - hinzu, kommen Wasserspeicher schnell an ihre Grenzen. Speicher wie Talsperren und Speicherseen können keine Vorräte für mehrere Jahre halten, sondern sind nach ein bis zwei Jahren großer Trockenheit erschöpft. Es sei denn, mehrere Speicher sind miteinander gekoppelt, wie es Planungen für die Lausitz vorsehen. Andererseits sind auch extreme Hochwasser möglich. Das Austarieren von Speicherkapazitäten ist damit immer ein Spagat zwischen zu viel und zu wenig Wasser. Je weiter die Klimakrise fortschreitet, um so unberechenbarer.

Leidtragende am Ende bzw. eigentlich ganz zu Beginn der Kette sind seit Jahrzehnten die Kommunen und Menschen in der Lausitz.
Die örtliche Wasserversorgung ist eine kommunale Angelegenheit. Doch seit Jahrzehnten ist Lausitzer Kommunen die Organisation einer eigenen und stabilen Versorgung mit regionalem Wasser nicht möglich. Der Wasserhaushalt der Lausitz hat sich grundlegend geändert und tut dies auch weiterhin. Um ihre Wasserversorgung sicher jenseits der Folgen von Kohleabbau und Klimakrise zu gestalten, haben sich im Dezember 2021 Aufgabenträger der öffentlichen Wasserversorgung in der Lausitz zur kommunalen Arbeitsgemeinschaft Trinkwasserverbund Lausitzer Revier (ARGE) zusammengefunden. Ihr gehören drei sächsische Wasserversorger (ewag kamenz Energie und Wasserversorgung AG (ewag), Kommunale Versorgungsgesellschaft Lausitz mbH Weißwasser (KVL), Versorgungsbetriebe Hoyerswerda GmbH (VBH)) an sowie zwei brandenburgische (Spremberger Wasser- und Abwasserzweckverband (SWAZ) und Wasserverband Lausitz (WAL)). Ziel ist die Absicherung der Trinkwasserversorgung durch ein Verbundsystem zu gewährleisten (https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1075349).

Brandenburg & Berlin

Jahrzehntelang sind Sümpfungswasser in der Spree aufgegangen, die dadurch zu einem deutlich größeren Fluss anschwoll, als sie es natürlich davor gewesen war. Das Wasser der Spree verteilte sich auf dem Weg nach Berlin zuerst im Spreewald, der sich über die Jahre an das Mehr an Wasser anpasste. Heute ist er ein wertvolles UNESCO-Biosphärenreservat und ein Paradies für Wassersport und Erholung.

Mit dem Kohleausstieg entfallen die Sümpfungswasser. Die Spree wird wieder auf ihr natürliches Maß beschränkt. Der Spreewald könnte phasenweise sogar trockenfallen mit gravierenden Folgen für das in den vergangenen Jahrzehnten entwickelte Arteninventar und den Tourismus. Aber auch die Trinkwasserversorgung u.a. für die knapp Viermillionen-Metropole Berlin mit weiter steigenden Bevölkerungszahlen (https://www.berlin.de/aktuelles/10000603-958090-prognose-berlin-waechst-auf-ueber-4-mill.html) wird es treffen. Aktuell werden hier rund 60 Prozent des Trinkwassers aus Uferfiltrat überwiegend aus der Spree gewonnen.

Bereits heute gibt es Wassermengen-, aber auch Wasserqualitätsprobleme, weil das Wasser der Spree erheblich mit Sulfat belastet ist und mit unbelastetem Wasser gemischt werden muss. Der Grund für die Belastungen sind Eisen und Sulfat, die über das allmählich ansteigende Grundwasser aus den Kippenböden in das Oberflächenwasser gespült werden.

Und die Elbe?

Die Elbe gehört heute bereits zu den großen Fließgewässern Mitteleuropas "(...) mit dem geringsten verfügbaren Wasserdargebot pro Einwohner des Einzugsgebiets" (https://www.ikse-mkol.org/themen/niedrigwasser). Eine aktuelle Studie der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) zeigt auf, dass seit 2014 schneearme Winter dazu führten, dass Hochwasser im Zuge der Schneeschmelze öfter ausblieben (IKSE, 2025, S. 26), dafür die trockenen und heißen Sommer verstärkt zu teils extremem Niedrigwasser führten (2015, 2018, 2019, 2023, 2025). Das hat Auswirkungen auf den durchschnittlichen Abfluss der Elbe, der sich zwischen 2014 und 2023 um rund ein Viertel reduziert hat. Mit fortschreitender Klimakrise ist erwartbar, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt. 

Die letzten Jahre zeigen, dass die naturnahe Flusslandschaft mit einer außergewöhnlichen biologischen Vielfalt durch Hitze und Trockenheit bedroht ist. Das Biosphärenreservat Mittelelbe und das elbeabhängige Weltkulturerbe Gartenreich Dessau-Wörlitz meldeten in den vergangenen Jahren immer wieder erhebliche Trockenschäden, weil das Wasser der Elbe viele Auen nicht mehr erreichen konnte. Der bisherige Fokus auf die Elbe als Wasserstraße hat den Problemen Vorschub geleistet. So hat sich die Elbe durch Tiefenerosion zwischen Mühlberg und Wittenberg bis zu 2 Meter tief in ihr Flussbett eingegraben und wirkt dadurch wie ein großer Entwässerungsgraben auf die angrenzende Landschaft. 

Von Niedrigwasser ist die Schifffahrt auf der Elbe erheblich betroffen. Seit Jahren werden daher Güter immer öfter nicht auf Ober- und Mittelelbe sondern über Schiene und Straße transportiert. Der Hamburger Hafen zeigte sich besorgt angesichts der geplanten Elbe-Überleitung. Es wird befürchtet, dass durch eine Verschärfung von Niedrigwasser (zusätzliche) kostenintensive Arbeiten im Hafen und in der Tide-Elbe nötig werden (https://www.hafen-hamburg.de/de/presse1/news/buendnis-aus-umweltverbaenden-hafenwirtschaft-und-naturschutz-warnt-vor-elbe-wasserueberleitung/). Das Ausbaggern von Sedimenten hat negative Auswirkungen auf den Fluss als Lebensraum, wie die Vergangenheit im Zuge von Elbvertiefungen und Ausbaggerungen der Fahrrinne immer wieder zeigen (www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/elbvertiefung-wirtschaftlicher-flop-und-oekologische-katastrophe,elbvertiefung-fischsterben-100.html).

Industrieansiedlungen lassen die Wasserbedarfe aus der Elbe steigen.
In Dresden soll sich der Wasserbedarf in den nächsten 20 Jahren fast verdoppeln - vor allem wegen des Ausbaus der Halbleiterindustrie. Voraussichtlich ab 2030 werden die Trink- und Industriewasserversorgung deshalb getrennt. Das Industriewasser wird dann aus 15 Brunnen aus Uferfiltrat der Elbe und einem Flusswasserwerk bereitgestellt. Insgesamt können für die Industrie dann knapp 90.000 Kubikmeter Wasser / Tag bereitgestellt werden. Der Bedarf soll bei reichlich 70.000 Kubikmeter Wasser / Tag liegen, sobald alle bislang geplanten Neu- und Erweiterungsbauten vollzogen sind. Die Trinkwasserversorgung stützt sich auf Wasser aus den Talsperren Klingenberg und Lehnmühle (Erzgebirge), Grundwasser und Elbe (Uferfiltrat).
Auch Magdeburg möchte wasserintensive Industrie in dem neuen Hightech-Park (ehemals Intel-Gelände) ansiedeln. (
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/sachsen-anhalt-treibt-hightech-park-zukunft-voran-104.html). Das Wasser soll - ähnlich wie in Dresden - ein Elbwasserwerk bereitstellen.
Hinzukommt: Wo Industrie wächst, ziehen Menschen zu, die ebenfalls Wasser benötigen. 

In den 1980er Jahren zählte die Elbe noch zu den schmutzigsten Flüssen Europas. Mit dem Wegbrechen von Industrien nach 1990 in Tschechien und Ostdeutschland, dem Ausbau von Kanalisation und Kläranlagen sowie Umwelt- und Gewässerschutz verbesserte sich die Wasserqualität erheblich. Einen „guten chemischen Zustand“, wie ihn die EU-Wasserrahmenrichtlinie als Ziel bis 2027 vorschreibt, erreicht die Elbe nicht. Belastungen treten auf durch erhöhte Phosphorwerte, Quecksilber, Polybromierte Diphenylether, PFAS, Polychlorierte Biphenyle, Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sowie Pestizide. Hoch- und Niedrigwasser haben enormen Einfluss auf die Wasserqualität: Währenddessen sich bei Niedrigwasser Schadstoffe in weniger Wasser konzentrieren, (re)mobilisieren Hochwasser schädliche Stoffe aus Sedimenten und belasteten ufernahen Regionen. Pumpt eine Elbe-Überleitung aus Hochwassersituationen ab, kann also mit einer erhöhten Schadstoffkonzentration im Wasser gerechnet werden.

Politik: Zwischen Gestaltung und Mutlosigkeit

Politische Verantwortungslosigkeit in der Lausitz

Der Betreiber eines Tagebaus - in der Lausitz die LEAG - ist verpflichtet, aus den ehemaligen Tagebauen wieder eine nutzbare Fläche zu gestalten (§ 55, Bundesberggesetz, https://www.gesetze-im-internet.de/bbergg/__55.html). Darin inbegriffen sind auch wasserwirtschaftliche Maßnahmen. 
Ein See ist wegen des Massedefizits beim Boden oft eine naheliegende Lösung. Es ist auch die kostengünstigste. Das großflächige Bewegen von Boden ist deutlich teurer, als kostenfreies Wasser in eine ausgeformte Grube einzuleiten. Der sich zuspitzende Mangel an Wasser und die teils massiven Belastungen des Wassers durch Eisen und Sulfat stellen die LEAG nun vor gewaltige Herausforderungen. Die Auswirkungen sind weit über die Tagebau-Grenzen hinaus zu spüren. 

Doch wo hört die gesetzliche Verantwortung und Haftung des Unternehmens auf und wo fängt das Risiko für das Kohle abbauende Bundesland, für die weiteren involvierten Bundesländer oder gar den Bund an? Wer trägt die absehbaren "Ewigkeitslasten"?
Dies ist eine ungeklärte Frage, die dringend rechtlich und politisch geklärt werden muss. In keinem Genehmigungsverfahren wurden alle sich heute zeigenden Tagebaufolgen im Zusammenhang betrachtet, bewertet (vgl. Grüne Liga, 2022, S. 5: https://www.kein-tagebau.de/images/_dokumente/220210_kohle_wasser_geld.pdf) und Verantwortlichkeiten geklärt. 

Positiv ist die bundesländerübergreifende Arbeitsgruppe zu Fragen rund um das Wasser in der Region auf Verwaltungsebene zu betrachten. In der Arbeitsgruppe Flussgebietsbewirtschaftung Spree, Schwarze Elster, Lausitzer Neiße arbeiten die für Wasserwirtschaft und Bergbau zuständigen Behörden aus Sachsen, Brandenburg und Berlin zusammen. Ebenfalls mit am Tisch sitzen Ministeriumsvertreter*innen, die LMBV und die LEAG sowie Sachsen-Anhalt als Unterlieger der Schwarzen Elster. In Arbeitsgruppen werden Fragen zu Wassermenge, Wasserqualität und Kohleausstiegs bearbeitet. Die AG ist bemüht um Weichenstellungen für die Zukunft der Region, während die Gewinne aus der laufenden Zerstörung von Landschafts- und Wasserhaushalt auf das Konto des kohleabbauenden Unternehmens gehen. 

An einem Grundwassermodell für die Lausitz arbeitet eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Bundes und der Länder Brandenburg und Sachsen. Koordiniert wird die AG von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Ziel ist es, Fließpfade, Fließgeschwindigkeiten und Grundwassermengen zu berechnen. Die rd. 9 Mio. Euro Projektkosten tragen der Bund zu 70 Prozent und die Bundesländer mit 30 Prozent. Das Kohle abbauende Unternehmen LEAG als aktueller Verursacher des Grundwasserverlusts sitzt mit am Tisch, beteiligt sich aber nicht an den Kosten.(https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1092456)

Währenddessen die Arbeitsebene die enormen Zukunftsfragen angeht, herrscht aktuell auf politischer Ebene Verantwortungs- und Führungslosigkeit. Mit Aussagen zur Verlängerung von Kohle-Laufzeiten, wie etwa im Frühjahr 2026 vom sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer und von Bundeskanzler Merz (https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/interview/audio-laufzeitverlaengerung-kohlekraftwerke-sachsen-kretschmer-100.html) werden Zeitabläufe und Maßnahmen immer wieder in Frage gestellt. Dabei ist der Ausstieg klar geregelt (Kohleausstiegsgesetz, https://www.gesetze-im-internet.de/kohleausg/BJNR181800020.html) und braucht eine gute und von langer Hand geplante Vorbereitung!

Dieses Lavieren und Liebäugeln mit der Kohle hat drastische Konsequenzen für die Region: Bis heute stehen Grundsatzentscheidungen z.B. zur Entwicklung des Wassers in der Region aus. Dabei steht bereits seit 2020 im Zusammenhang mit dem Kohleausstiegsgesetz die Forderung im Raum, ein überregionales Wassermodell zu entwickeln, auf dessen Basis die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen inklusive Kosten zu ermitteln seien, die von der öffentlichen Hand übernommen werden müssen (Deutscher Bundestag, 2020, Entschließungsantrag 19/201714, S. 10: https://dserver.bundestag.de/btd/19/207/1920714.pdf). 

Das führt in aktuellen Diskussion zu spürbarer Verhärtung und Verzweiflung. Im Juni 2026 ermutigte Prof. Thomas Grischek (HTW und ein Autor der LfULG-Studie 2021) in einem Vortrag vor der Konrad-Adenauer-Stiftung zu einer wasserpolitischen Grundsatzentscheidung. Dabei müsse man auch "Widerspruch und persönliche Anfeindungen aushalten" (https://www.kas.de/documents/267952/268001/Adenauer-Stiftung_Elbewasser%C3%BCberleitung_Grischek_02072026.pdf/f7742039-c0a3-5f2f-c266-4bba571640cb?version=1.0). Die Grundsatzentscheidung solle "Daten-basiert statt Gefühls-basiert" getroffen werden. Damit kann sie aber weder vor dem wasserwirtschaftlichen Gesamtmodell für die Flussbewirtschaftung noch dem Grundwassermodell Lausitz fallen (https://wassermanagement-lausitz.de/wmlausitz/de/wasserwirtschaftliches-gesamtkonzept/).

Das 2016 gegründete und an die örtliche Universität (BTU) in Cottbus angedockte Wasser-Cluster-Lausitz e.V. hat zum Ziel, den Strukturwandel mit dem Fokus auf das Wasser (Menge, Qualität, Sicherung als Ressource) zu begleiten. Dessen erster Vorsitzender, Dr. Ingolf Arnold, einst Leiter Wasserwirtschaft bei Vattenfall Europe Mining und der Abteilung Geotechnik bei der LEAG, warb in einer Anhörung im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages Anfang 2024 dafür, dass bis 2027 wasserpolitische Grundsatzentscheidungen zu fällen seien (https://www.bundestag.de/resource/blob/990716/35aaa2e2e7010c3ab122f4593ae8d7de/20-16-250-G_Arnold.pdf). Auch hier wird Druck ausgeübt, obwohl Arnold die geplanten Abläufe bestens bekannt sein dürften.

Bei der Betrachtung der Diskussionen um die Lausitz werden auch Verbindungslinien zwischen wissenschaftlicher Arbeit und wirtschaftlichen Interessen deutlich: Die GMB GmbH wirkte über Dipl.-Ing. Carsten Schützel an der Studie des Umweltbundesamtes mit. Das Unternehmen ist eine 100-prozentige Tochter der LEAG. Dies macht die Studie angreifbar und entwertet deren Ergebnisse. Natur- und Umweltschutzverbände äußerten sich dazu kritisch in einer gemeinsamen Position (https://sachsen.nabu.de/imperia/md/content/sachsen/230830-nabu-verbaendebrief-wasserhaushalt-sachsen-berlin-brandenburg.pdf). Sie ktitisieren dabei zurecht den Fokus der Studie auf technische Lösungen und die geringe Berücksichtigung naturbasierter Maßnahmen. Die LEAG hat mit 5,1 Mrd. Kubikmeter Wasser (2038) einen sehr hohen Wasserbedarf in der Region. Eine rasche Umsetzung technischer Lösungen (z.B. durch Überleitungen von Wasser, Erweiterungen der Speicherkapazitäten in Seen/ Talsperren) wäre also durchaus in ihrem Sinne. 

Bei den bislang entwickelten Programmsystemen wie bspw. das Oberflächenwasserprognosemodell Water-Balance-Model (WBalMo) sowie NAM EGMO (Abfluss), die in der Lausitz für die Wasserbewirtschaftung als Grundlage verwendet werden, besteht eine hohe Abhängigkeit von privaten Unternehmen. WBalMo ist entwickelt worden von dem Unternehmen DHI WASY, das je nach Kundenwunsch die Prognosen auch für andere Parameter ergänzen kann (z.B. Sulfatbelastung). Eine Open-Source-Lösungen hätte demgegenüber zahlreiche Vorteile: Details zu Berechnungen wären bis ins kleinste Detail transparent und jederzeit von Vielen (z.B. Wissenschaftler*innen, Behördenmitarbeiter*innen) in Funktion und Aussagekraft zu verbessern. So muss für Anpassungen, Berichte etc. gezahlt werden. Da auch das neue Grundwassermodell Lausitz damit verschränkt wird (https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Grundwasser/Projekte/Bergbaufolgelandschaften/GWM-Lausitz/gwm-lausitz.html), steigt tendenziell die Abhängigkeit von Einzelunternehmen noch weiter.

Dass die LEAG weder Daten zum Wasser noch zur geplanten Finanzierung der Rekultivierungskosten öffentlich macht, ist bei dem Ausmaß der Schäden nicht nachvollziehbar. Dabei erhebt das Unternehmen Daten zum Wasser, entwickelte auch eigene Modelle für aktive bzw. rekultivierende Tagebaue. 
Dass man in Sachen Wasser deutlich mehr Transparenz braucht, zeigt die Nachfrage einer NGO beim brandenburgischen Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe. Nur so kam ans Licht, dass die LEAG im Tagebau Jänschwalde von 2017 bis Oktober 2021 rd. 240 Mio. Kubikmeter Wasser ohne Genehmigung abgepumpt hat (Kein Tagebau: https://www.kein-tagebau.de/images/_dokumente/211206_buergerinformation.pdf). Vertrauen schaffen geht sicherlich anders.

Hinzukommt, dass LAUBAG (Lausitzer Braunkohle AG), Vattenfall und LEAG für das abgepumpte Grundwasser bis 2025 keinen Cent in Sachsen zahlen mussten. In Brandenburg muss für das als Kühlwasser genutzte Wasser gezahlt werden (11,5 Cent/m³). Im Rheinischen Revier gibt es den "Wassercent" (5 Cent/m³) auf gehobenes Grundwasser. Für die LEAG fallen mittlerweile 5,6 Cent/m³ bei der Grundwasserentnahme an.

Seit Jahren steht darüber hinaus die Sorge im Raum, dass der Mutterkonzern EPH (Energetický a průmyslový holding) plant, seine Braunkohle-Tochter LEAG nach Ende des Kohlegeschäfts strategisch insolvent gehen zu lassen. Dadurch würde ein Großteil der Rekultivierungskosten auf öffentliche Kassen abgewälzt werden können. Die Frage, wer die "Ewigkeitslasten" der Kohle für die Region zu tragen hat, hätte sich dann auch erübrigt. Die Sorgen wurden im Falle der LEAG durch Konzernumstrukturierungen genährt. 2024 gab diese bekannt, ihre zukunftsträchtigeren Erneuerbaren-Sparten vom Braunkohlegeschäft zu trennen. Die isolierten, aber langfristig für die Rekultivierung verantwortlichen Braunkohlesparten werden in wenigen Jahren dadurch ohne Einnahmen dastehen (vgl. Kohleatlas 2026). 
Mit einer entschlossenen Politik können die Kosten einer Insolvenz für die öffentlichen Kassen gesenkt werden, z.B. durch eine öffentlich verwaltete Stiftung, die die Gelder der LEAG verwaltet.

Die Elbe: Zwischen großer Verantwortung und großen Ansprüchen

Die Elbe ist ein Gewässer I. Ordnung und fällt damit in die Verantwortung des Bundes. Laut Bundeswasserstraßengesetz (WaStrG) obliegen dem Bund Ausbau, Betrieb und die Unterhaltung der Binnenelbe als Wasserstraße. Darüber hinaus fallen dem Bund wasserwirtschaftliche Aufgaben zu. V.a. die verkehrlichen Aufgaben werden durch die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) abgewickelt (https://www.gdws.wsv.bund.de/DE/startseite/startseite_node.html).

Das Elbe-Flusseinzugsgebiet ist so groß wie Tschechien, Slowakei und Slowenien zusammen und damit das viertgrößte Mitteleuropas. Davon entfallen 65,5% auf insgesamt 10 Bundesländer in Deutschland, 33,7 % auf die Tschechische Republik und weniger als 1 Prozent jeweils auf Polen und Österreich. Wenn es um die Elbe geht, sind viele Akteur*innen im Boot. Dabei bringen sie viele landes- und regionalspezifische Interessen ein. Daher ist ein gemeinsamer Handlunsgrahmen unerlässlich. Definiert wird dieser im Wesentlichen über das Gesamtkonzept Elbe, die Flussgebietsgemeinschaft Elbe (FGG Elbe) und die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE). Darüber hinaus sind die EU-Wasserrahmenrichtlinie und die Nationale Wasserstrategie zu nennen.

Im März 2004 wurde die Flussgebietsgemeinschaft Elbe (FGG Elbe) gegründet von allen 10 im Einzugsgebiet der Elbe liegenden Bundesländern (Bayern, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen) sowie des Bundes. Das Ziel ist die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) für die Elbe in Deutschland mit einer abgestimmten Bewirtschaftungs- und Maßnahmenplanung. Angesichts sich häufender Niedrigwasser wurden Wasserentnahmen und Überleitungen von Wasser als "wichtige Wasserbewirtschaftungsfragen identifiziert" und sollen künftig in einem nachhaltigen Wassermengenmanagement berücksichtigt werden (Fortschrittsbericht Gesamtkonzept Elbe, 2025 https://www.gesamtkonzept-elbe.de/Webs/Projektseite/GkElbe2020/SharedDocs/Downloads/Fortschrittsbericht_GKE_2025.pdf?__blob=publicationFile&v=1).
Seit September 2025 widmet sich eine Arbeitsgruppe dem Wassermengenmanagement der Elbe. Angesichts der Veränderungen der Elbe durch die Klimakrise und steigender Nutzungsansprüche soll sie einen Weg erarbeiten, wie Wasserbedarfe innerhalb des Flusseinzugsgebietes (z.B. Versorgung von Haushalten und Industrie mit Wasser) künftig mit ökologischen Erfordernissen (z.B. Schutz von Lebensräumen) in Einklang gebracht werden können. Eine Elbe-Überleitung würde dann mit Daten zum Wasserdargebot sowie absehbaren Defiziten bei der Wasserverfügbarkeit abgeglichen, eingeschätzt und abgestimmt werden können. Dennoch steht die Frage im Raum, warum erst jetzt die Anstrengung unternommen wird, Daten zum Wasserdargebot und Wasserbedarfe zusammenzutragen, größere Projekte und Maßnahmen entlang der Elbe zu besprechen und ggf. gemeinsam darüber abzustimmen.

Eine gewichtige Rolle dürfte dabei spielen, dass aufgrund abnehmender Wasserdargebote vor Ort (z.B. Grundwasser) die Elbe zunehmend in den Fokus gerät: Schließlich sind auch in Zeiten sinkender Grundwasserstände Wasserbedarfe zu bedienen (z.B. für die Versorgung von Haushalten und Industrie). Teils kommen weitere Wasserbedarfe hinzu (z.B. Halbleitertechnologie in Dresden, Hightech-Park bei Magdeburg). Dass die Elbe mittlerweile deutlich sauberer ist als noch in den 1980er Jahren, als sie als einer der schmutzigsten Flüsse Europas galt, erhöht die Begehrlichkeiten.

Das Gesamtkonzept Elbe ist ein Konzept für die Entwicklung der Elbe und ihrer Auen in Deutschland, worauf sich 2017 zwei Bundesministerien (Verkehr, Umwelt) und neun Bundesländer einigten. Es soll die verkehrliche Nutzung (Schifffahrt) und wasserwirtschaftliche Anforderungen mit dem Erhalt der wertvollen Naturlandschaft der Elbe in Einklang bringen (vgl. Gesamtkonzept Elbe, 2017, https://www.gesamtkonzept-elbe.de/Webs/Projektseite/GkElbe2020/SharedDocs/Downloads/Gesamtkonzept_Elbe_Brosch%C3%BCre.pdf?__blob=publicationFile&v=2). Eine Aktualisierung des Konzepts ist nötig, da aufgrund zunehmender Niedrigwasser die angestrebte Fahrrinnentiefe von 1,40 Meter und andererseits auch Auen immer seltener erreicht werden. 

Die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) wurde 1990 ins Leben gerufen. Vertragsparteien sind Deutschland und Tschechien. Österreich, Polen, die internationalen Kommissionen zum Schutz des Rheins, der Oder und der Donau sowie Nichtregierungsorganisationen sind sogenannte Beobachter. Ziele der getroffenen Vereinbarung sind u.a.: Nutzungen zu ermöglichen (z. B. für Trinkwassergewinnung aus Uferfiltrat, Landwirtschaft), eine möglichst naturnahe Flusslandschaft mit vielen Arten herzustellen und Belastungen aus dem Elbeeinzugsgebiet nachhaltig zu verringern, so dass weniger verschmutztes Wasser die Nordsee erreicht. (vgl, https://www.ikse-mkol.org/ikse/ueber-die-ikse)
Die IKSE macht durch Auswertungen von Hoch- und Niedrigwassern (vgl. IKSE, https://www.ikse-mkol.org/themen/niedrigwasser) nicht nur Zusammenhänge zwischen der stofflichen Belastung und Abflüssen sichtbar, sondern stellt auch Zusammenhänge zwischen Oberflächen- und Grundwasser anschaulich dar. Über Analysen definiert sie Ziele, Maßnahmen und Handlungsempfehlungen wie etwa bei den Themen Nährstoffbelastung (vgl. IKSE, https://www.ikse-mkol.org/themen/reduzierung-naehrstoffeintraege) und Schadstoffe in Schwebstoffen und Sedimenten (vgl. IKSE, https://www.ikse-mkol.org/themen/sedimentmanagement). Für die Elbe-Überleitung sind diese Auswertungen bedeutsam, da sie zeigen, dass gerade in Hochwassersituationen (also, wenn eine Überleitung bevorzugt stattfinden soll) die Schadstoffbelastung in der Elbe erhöht ist. Damit könnte stärker belastetes Wasser in die Lausitz gelangen. Ähnlich verhält es sich mit Neophyten - also nicht-heimischen Arten -, die sich bereits in und an der Elbe angesiedelt haben und über die Überleitung auch die Lausitz erreichen könnten.

Prinzipiell gilt laut EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) jedoch ein Verschlechterungsverbot von Gewässern (insbes. bei natürlichen Gewässern bzw. ) und ein Verbesserungsgebot, denn Ziel müsse es sein, alle Flüsse, Seen, Grundwasser und Küstengewässer Europas bis spätestens 2027 in einen "guten Zustand" zu versetzen. Wird also belastetes Wasser in Gewässer übergeleitet, die unter die EU-Wasserrahmenrichtlinie fallen, dann würde gegen das Verschlechterungsverbot verstoßen werden.

Technik- und naturbasierte Lösungsansätze

Bei der Diskussion um Wasser in der Lausitz lassen sich grundsätzlich zwei Lösungsansätze ausmachen.

Technikbasierte Lösungen

Technikbasierte Lösungen werden weitgehend gesteuert durch Menschen.
Wird bis heute das aus den Tagebauen abgepumte Grundwasser auf verschiedene Nutzungen verteilt, soll künftig übergeleitetes Wasser in ein System von Speichern (gezielt bewirtschaftete Bergbaufolgeseen als Umsatz- und Absetzbecken) und Nutzern gegeben werden. Auch weiterlaufende Pumpen nach Beendigung eines Tagebaus sowie Grubenwasserreinigungsanlagen fallen hier mit hinein. Ziel ist es, dass ganzjährig genügend Wasser in ausreichender Qualität in der Region und darüber hinaus für alle Bedarfe vorhanden ist. In technikbasierten Lösungen sehen die LEAG, die LMBV und teils auch die Wasserwirtschaft die Zukunft. Für sie ist die Elbe-Überleitung alternativlos. Weitere Überleitungen seien zu prüfen (z.B. aus Neiße und Oder), gestalten sich aber deutlich schwieriger, weil es hier einer Abstimmung mit Polen bedürfe. Wassersparen und Wasserrückhalt in der Fläche werden als flankierende Maßnahmen gesehen.

Seit den 1990er Jahren ist die technikbasierte Idee einer Elbe-Überleitung in der Diskussion. Erstmals wurde sie von der LAUBAG (Lausitzer Braunkohle AG) ins Gespräch gebracht. Erste Varianten des Überleiters wurden von der TU Bergbauakademie Freiberg und der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) erarbeitet.
Es folgten weitere Studien, die die Grundlagen für die heute diskutierte Lösung bilden:

  • 2009:
    Der Schlussbericht zur Studie zur Elbewasserüberleitung im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) erscheint. Darin wird an mehreren Stellen die Notwendigkeit einer Elbe-Überleitung gesehen. Auftragnehmer der Studie ist das GFI Grundwasserforschungsinstitut GmbH Dresden (einer Ausgründung aus dem Dresdner Grundwasserforschungszentrum e.V.). Ebenfalls involviert sind die Lehrstühle für Hydrologie und Wasserwirtschaft der BTU Cottbus und das Institut für Bergbau und Spezialtiefbau (TU Bergakademie Freiberg).
  • 2021: 
    Das Kompendium wirtschaftlicher und umwetgerechter Best-Praxis Lösungen für Bergbaufolgemanagement sowie aktiven Bergbau erscheint. Auftragnehmer war ZAFT (Zentrum für Angewandte Forschung und Technologie e.V.). ZAFT ist ein durch Hochschullehrer*innen der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden angegliedertes Forschungszentrum. Auftraggeber war das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Eine Elbe-Überleitung wird darin als eine Möglichkeit gesehen, allerdings mit Einschränkungen (z.B. nicht ganzjährige Entnahme) und weiteren Prüfanforderungen (z.B. Entwicklung von Wasserbedarfen und Klimakrise).
  • 2023:
    Das Umweltbundesamt veröffentlicht seinen lange und mit großer Aufmerksamkeit erwarteten Bericht Wasserwirtschaftliche Folgen des Braunkohleausstiegs in der Lausitz. Der Elbe-Überleiter und hier die Variante Prossen-Talsperre Bautzen werden darin positiv bewertet. Nicht nur daran üben Umwelt- und Naturschutzverbände Kritik. Die Verflechtungen zwischen Auftragnehmer*innen der Studie und dem bergbaubtreibenden Unternehmen LEAG werden sichtbar gemacht. 

Naturbasierte Lösungen

Der naturbasierte Lösungsansatz nimmt in den Blick, ob und wie die Lausitz sowie Unterlieger der Spree auch ohne ein künstlich aufgestocktes Wasserdargebot künftig alle Bedarfe decken können. Grundannahme ist, wenn natürliche Wasserspeicher wie Auen, Feuchtgebiete und Moore sowie Wälder wieder funktoinsfähig gemacht, Entwässerungssysteme wie z.B. Drainagen in der Landwirtschaft rückgebaut werden und Wasser wieder vor Ort gehalten werden kann, gebe es genügend Wasser, um alle Bedarfe zu bedienen. Hinzukommen wichtige Komponenten wie eine Renaturierung der Flüsse, deren Flussläufe künstlich vergrößert worden sind. Darüber hinaus braucht es wassersparsames Verhalten von Haushalten und Industrie (z.B. durch Kreislaufführung von Wasser), die Verkleinerung von Infrastrukturen (Wasserwerke und Klärwerke) sowie eine Priorisierung der Wasserführung im künstlich geschaffenen Spreewald, ohne die über die letzten Jahrzehnte gewachsene Artenvielfalt und touristischen Angebote zu gefährden. Statt technikbasiert überdimensionierte Strukturen künstlich am Leben zu erhalten, sollen die Systeme wieder auf ein naturnahes Maß gebracht werden, das an die Zeit vor der Kohle anknüpft.

Eine Situationsanalyse des Nabu zeigt, dass das Wasserproblem kein Mengenproblem sondern eher ein "zeitliches und räumliches Verteilungsproblem" ist (Rocco Buchta, 2026), das durchaus ohne Wasserüberleitung gelöst werden kann. 

Währenddessen Wasserüberleitungen als ein Teilbereich des Gesamtkonzepts betrachtet werden sollen, finden naturbasierte Lösungen (z.B. Renaturierung, Wasserrückhalt in der Fläche) nur Erwähnung. Es wird lediglich auf länderspezifische Konzepte und Strategien im Umgang mit Niedrigwasser verwiesen (https://wassermanagement-lausitz.de/wmlausitz/de/wasserwirtschaftliches-gesamtkonzept/#). Dabei lägen hier sicherlich erhebliche Potentiale, die (Fließ-)Gewässer zu stützen und gleichzeitig die Lausitz mit einer vielfältigen, teils eben auch (wieder) mit Feuchtgebieten ausgestatteten Landschaft zu entwickeln, die Artenvielfalt und damit auch naturnahen Tourismus fördert sowie die gesamte Region besser vor Extremen durch die Klimakrise schützt! 
Fakt ist: Ohne verlässliche Daten lässt sich eine politische (Grundsatz-)Entscheidung nicht treffen. 

Tabelle: Vergleich der Ansätze
  naturbasierte Lösung technikbasierte Lösung
Zielzustand

- Annäherung an den Zustand der Flussgebiete vor dem Kohleabbau (kleinere, renaturierte Flüsse mit geringerem Mindestabfluss, verkleinerter Spreewald)

- weitestgehende Stabilsiierung eines Systems, das über die Jahrzehnte des Kohleabbaus gewachsen ist (Ausmaß der Flüsse, des Spreewalds der Wasserver- und entsorgungsstruktur, etc.)
Maßnahmen

- Wasserrückhalt in Flusseinzugsgebieten (Feuchtgebiete, Wälder)
- Renaturierung von Flüssen und ihrer Auen
- Verkleinerung des Spreewalds
- Wassersparsames und -effizientes Verhalten (Haushalte und Industrie (z.B. durch Kreislaufführung))
- mehr Flächenentsiegelung, weniger Flächenversiegelung
- mehr blaugrüne Infrastruktur in Städten (Schwammstadt)
- bessere Aufbereitung des Abwassers (4. Reinigungsstufe)
- (vorerst) Fortführung von Speicherbewirtschaftung

- Überleitung von Wasser in die Lausitz (Elbe, Neiße, Oder)
- Erweiterung des Speichersystems über Seen und Talsperren
- naturbasierte Maßnahmen sind flankierend

Vorteile

- Maßnahmen haben nicht nur einen positiven Effekt auf die Entwiclung des Wasserhaushaltes, sondern auch auf Klimaschutz und Klimaanpassung, wofür in Kommunen selten Geld übrig ist (--> eine ganze Region profitiert)
- Anreiz für ökologisches Wirtschaften und den sparsamen Umgang mit Wasser wird gesetzt
- Hochwasserschutz

- Wasserversorgung braucht Verlässlichkeit --> kann über Speichersystem und Überleitungen hergestellt werden (wenn in den Geberflüssen genügend Wasser entnommen werden kann und nicht zu viel Wasser über Verdunstung wieder verloren geht)
- größere Verdunstung (Spreewald, vergrößerte Flüsse)
- Hochwasserschutz
Nachteile - bislang keine systemtatische Erfassung von Potentialen und Kosten naturbasierter Maßnahmen
- hohe Abhängigkeit von Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen (ohne ausreichend Niederschlag kein Wasser vor Ort)
- Finanzierung unklar (wer? wieviel? Einbeziehung der LEAG als Verursacher der letzten Jahre?)

- hohe Investitionskosten (500 Mio. bis 1,5 Mrd. Euro)
- dauerhafte Unterhaltungskosten für die Technik (Pumpen, Leitungssystem)
- da künstlich das Wasserdargebot hochgehalten wird, gibt es keinen Anreiz zum sparsamen Umgang mit Wasser
- verschmutztes (Hoch-)Wasser & Neophyten gelangen in die Lausitz
- hohe Abhängigkeit von Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen (ohne ausreichend Niederschlag kein Wasser vor Ort)
- Finanzierung unklar (wer? wieviel? Einbeziehung der LEAG als Verursacher der letzten Jahre?)

Fazit & offene Fragen

Ein Strukturwandel wie er aktuell in der Lausitz stattfindet, bedeutet Transformation.
Ein Transfomationsprozess vollzieht sich in Etappen und setzt spezifisches Wissen voraus:

  • Wissen darüber, was gerade ist
  • Wissen darüber, wie zu einem gewünschten Ziel zu kommen ist
  • Wissen (und im besten Fall Einvernehmen) über den Zustand, wo die Reise hingehen soll.

Anhand des Elb-Überleiters ist deutlich geworden, dass beim Wissen über die aktuelle Wassersituation Einigkeit bei den handelnden Akteur*innen besteht. Defizite bei Wassermenge und Wassergüte werden ähnlich wahrgenommen. Dabei steht die wasserwirtschaftliche Gesamteinschätzung sowie Daten zum Grundwasser in der Region noch aus. 

Was gesellschaftlich offensichtlich noch nicht hinreichend geklärt ist, ist die Frage der Zukunftsvision für die Lausitz: Renaturierte und wieder auf das Maß vor dem Kohleabbau reduzierte Flussgebiete oder weiterhin stark menschlich überprägte Flusslandschaften? Hier sollten nicht nur Wissenschafts-, Wasserwirtschafts- und Politikvertreter*innen mitsprechen, sondern auch die Menschen vor Ort. Es geht um das Gemeingut Wasser - einer Ressource, die in der fortschreitenden Klimakrise noch mehr an Bedeutung gewinnt. Daher sollte das Thema auch gesellschaftlich möglichst breit besprochen werden!

Für eine ergebnissoffene Diskussion ist es erforderlich, dass auch umfangreiche, fundierte, wissenschaftliche Daten zu naturbasierten Lösungen bereitgestellt werden.
Der bislang einseitige Blick auf technikbasierte Lösungen verengt den Blick.

Ist das Ziel klar umrissen, geht es daran, den besten Lösungsweg für die Lausitz zu finden. Bedeutsam sind dabei Fragen nach nach Verantwortlichkeiten (LEAG, Bundesländer, Bund), den Kosten (Wo fallen dauerhaft Kosten an? Wer trägt einmalige Investitionen, wer laufende Kosten und wie lange? Wie wird dem Verursacherprinzip Rechnung getragen und die LEAG nicht aus der Verantwortung genommen?) und Zeitabläufen. Da ausgeprägte Phasen mit großer Hitze und extremer Trockenheit in den Sommern zunehmen, sollte eine Entscheidung zügig aber mit der fachlich gebotenen Sorgfalt fallen. 

Ist eine Elbe-Überleitung als Lösung definiert worden, ist diese auf ihre ökologische Vertretbarkeit (z.B. Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie) unter den Bedingungen einer fortschreitenden Klimakrise zu prüfen. In die Entscheidung sind unbedingt einzubeziehen die ökologischen Folgen entlang der gesamten Elbe auf Gewässer, Arten und Lebensräume. Eine Überleitung darf nicht zu einer Verschlechterung des Zustands der Elbe führen (Verschlechterungsverbot nach EU-WRRL). In Abstimmung mit den Unterliegern müssen auch bereits bestehende und sich noch künftig entwickelnde (so bereits bekannt) Wasserbedarfe in die Betrachtungen einbezogen werden.

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