Demokratien als riskante Ordnungen

Was heißt "ziviler Ungehorsam" im autoritären Sog? Videovortrag

Niemand hat das Recht zu gehoren, das Zitat wird Hannah Arendt zugeschrieben. Sie ist rauchend im Bild.

In ihrem berühmten Essay „Was heißt Verantwortung unter einer Diktatur“ plädiert Hannah Arendt dafür, das Wort ‚Gehorsam‘ aus dem Bereich der Politik zu streichen. Es widerspreche der grundsätzlichen Freiheit der Menschen, das gilt für Arendt auch unter den Bedingungen totaler Herrschaft. Diese Freiheit drückt sich für sie nicht nur im widerständigen Handeln, sondern auch in der Verweigerung und dem Entzug aus.

Können diese Überlegungen auf demokratische Ordnungen übertragen werden? Streichen wir den Gehorsam aus der Politik, ist es der zivile Ungehorsam, der als entscheidende demokratische Qualität gelten muss? Oder können auch der Entzug und die Verweigerung für Demokratien fruchtbar gemacht werden?

In dem Vortrag werden diese Fragen verhandelt und die Demokratie als eine riskante Ordnung vorgestellt, die durch die menschliche Freiheit immer wieder aufs Neue herausgefordert wird.

Vortrag mit PD Dr. Julia Schulze Wessel, anDemos – Institut für angewandte Demokratie- und Sozialforschung, Politikwissenschaftlerin, ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Demokratietheorie, Grenzen der Demokratie, Partizipation, Flucht und Migration

Anmerkung der Veranstalter:innen

In Anbetracht der aktuellen Lage und nach reichlicher Überlegung haben wir – das Kulturbüro Sachsen, Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und das Netzwerk Tolerantes Sachsen – uns dazu entschieden, unsere geplante Tagung „Politisch Handeln im autoritären Sog: UNGEHORSAM“ diesen Freitag in Leipzig abzusagen. Damit Ihre Vorfreude auf die Tagung nicht umsonst gewesen sein soll, zeigen wir den Einführungsvortrag von Julia Schulze Wessel am Freitag live im Internet. Außerdem sind wir bereits in Gesprächen über einen Nachholtermin – voraussichtlich Anfang nächsten Jahres.