Hohenstein-Ernstthal: PFAS im Lungwitzbach

Daten und Fakten über Wassermenge und -qualität in und um Hohenstein-Ernstthal.

Stark kanalisierter ungwitzbach zwischen Strumpffabrik und Bundesstraße

Es ist ein Freitag Ende Juni 2026. Eine extreme Hitzeglocke hängt über Europa fest: Selbst in Hohenstein-Ernstthal, einem Ort im sonst eher für moderatere Sommertemperaturen bekannten Erzgebirge, zeigt das Thermometer weit über 30 Grad. Ich werde abends einen Vortrag in der Christopheri-Kirche halten. Es geht um das Wasser in der Region. Dafür nehme ich u.a. Veränderungen durch die Klimakrise in den Blick, aber auch die Wasserqualität von Oberflächengewässern und Grundwasser. 

Die Wärme führt mich an den nahegelegenen Stausee Oberwald. Er erwuchs aus dem Restloch des Tagebaus Callenberg Süd I. Von 1960 - 1977 wurde hier die größte Nickelerzlagerstätte Mitteleuropas ausgererzt. Heute ist hier ein nettes Bad mit Campingplatz, Badestrand und Gastronomie. Mit den Füßen im Wasser lässt sich das spürbar kältere Grundwasser, das in den See hineinströmt, vom doch recht warmen Seewasser unterscheiden. Es macht Spaß, die Kraft des unterirdischen Wassers zu spüren - v.a. in Zeiten schwindenden Grundwassers. 

Auf das Grundwasser, die Belastungen durch (Alt)Bergbau und die Auswirkungen von immer längeren heißen und trockenen Sommerphasen gehe ich abends in meinem Vortrag näher ein.

Nitratbelastung rings um Hohenstein-Ernstthal

Hohenstein-Ernstthal ist im Norden und Süden, aber auch im Osten umringt von Nitratbelastungen im Grundwasser. In Hohenstein-Ernstthal selbst weist die Grundwasser-Messtelle 41 mg/l Nitrat aus - das ist wenig unter der Grundwasserqualitätsnorm von 50 mg/l Nitrat. 

Auch der (Alt)Bergbau hinterlässt seine Spuren im Wasser: Die Konzentrationen von Nickel, Kupfer, Silber, Selen und Arsen u.v.m. sind höher als andernorts in Sachsen. Das überraschte mich daher auch nicht weiter. Und dem sehr interessierten Publikum in der Christopheri-Kirche waren die Belastungen offensichtlich auch bekannt.

PFAS-Belastung im Lungwitzbach (Auswahl)

Die hohen PFOS- und TFA-Werte in Wasser (1) und Sediment (2) des Lungwitzbaches waren für das Publikum überraschend. PFOS und TFA gehören zur PFAS-Stoffgruppe. Dabei handelt es sich um Ewigkeitschemikalien. Sind diese erst einmal in der Umwelt, ist ihnen schwer beizukommen: Sie sind kaum abbaubar und verbleiben damit sehr lange in der Umwelt. Von einigen Stoffen der PFAS-Gruppe weiß man, dass sie sich in der Umwelt und in Organismen anreichern. Sie sind giftig für Wasserorganismen und für den Menschen gesundheitsschädlich: Dazu zählt PFOS. Seit 2009 zählt es deshalb zur Gruppe "prioritär gefährlicher Stoffe" (3). 
Trifluoressigsäure (bzw. Trifluoracetat) gilt als extrem stabil und baut sich in der Umwelt nicht ab. Es ist sehr gut wasserlöslich und verteilt sich schnell über den Wasserkreislauf: U.a. kann es über Pestizide und industrielle Abwässer in Grundwasser, Bäche und Flüsse gelangen. Mit dem Wasser kann es von Pflanzen aufgenommen werden, die am Ende vielleicht auf unserer Speisekarte stehen.

Es ist erst ein knappes Jahr her, da sorgte - ebenfalls im Erzgebirge - eine Nachricht für großen Wirbel. Im Filzbach waren hohe PFAS-Werte festgestellt worden - wahrscheinlich aus Papierschlämmen (4). Woher die Belastung im Lungwitzbach kommt, ist mir unklar. Aber es sollten dringend die Quellen gefunden werden, um die Belastungen wenigstens für die Zukunft eindämmen zu können. Dies ist v.a. insofern relevant, da der Lungwitzbach erst im Jahr 2021 mit hohem finanziellen Aufwand in Oberlungwitz renaturiert wurde (5), aber nicht gut zur Heimat von Wasserorganismen werden kann, wenn die Belastungen hoch und giftig sind. Im Falle von Hochwasser schwemmt der Bach die PFAS-Belastung auf die umliegenden Böden, die dann u.U. den Menschen der Region zum Anbau von Nahrungsmitteln dienen. 
Dies gilt übrigens auch für den nahegelegenen Frohnbach, der ebenfalls eine hohe PFAS-Belastung aufweist (6).

 

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