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Ein Stück über: Beschäftigt sein. Ein Stück über: Sich beschäftigen. Ein Stück über Beschäftigung.

blauer Hintergrund mit Punkten

Am 22. März 2023 sitze ich mit einem Wäschekorb, aus dem ein Beutel, eine selbst gebastelte Fahne und Pappschilder heraus blitzen, in der Vogtlandbahn, neben mir ein junger Mann, einen Kleidersack auf dem Schoß – er ist Dramaturg. Wenige Stunden zuvor habe ich mich auf einer Schultoilette vor der Klasse 8c eines Gymnasiums in Lengenfeld versteckt. Später ist die 8c mein Publikum. Ich bin Schauspielerin. Einen Moment lang nehme ich die Außenperspektive ein: Das ist die Arbeit einer Schauspielerin? Ich schmunzle – das hat nichts mit dem herkömmlichen Bild des Schauspielberufs zu tun und doch gehört es dazu. Ich fing an, mir Gedanken über den Teil unseres Lebens zu machen, der uns im Durchschnitt 39,3 Jahre lang, 40 Stunden pro Woche und 8 Stunden am Tag begleitet: „die Arbeit". Schon in ersten Gesprächen stellte ich fest, dass es so viele unerwartete oder absurde Geschichten aus verschiedensten Arbeitsrealitäten zu hören gibt und dass diese Geschichten so viel über Berufe und die Menschen dahinter erzählen, was oft verborgen und unerwähnt bleibt. Denn: Sprechen wir ernsthaft über das, was „die Arbeit“ mit uns macht? Darüber, wie unsere Arbeitsrealität eigentlich aussieht? Was zur „Arbeit“ gehört? Könnte es uns als arbeitende Individuen einer Gesellschaft vielleicht näher zusammenbringen,

wenn wir die Geschichten hinter der Arbeit anderer kennen, ihre Motivation, ihre Wünsche, ihren Frust und hinter die Kulissen blicken? Wenn ich die Spielpläne der Theaterhäuser durchgehe, begegnen mir vor allem Liebeserzählungen, Familiendramen und geschichtliche Themen, aber unsere Beziehung zur Arbeit sehe ich im Theater kaum verhandelt. So wuchs in mir der Wunsch, eine künstlerische Auseinandersetzung mit der „Arbeit“ zu finden, „die Arbeit“ in ihrer Bandbreite zu untersuchen, um „Arbeits-Geschichten“ sichtbar zu machen und die Hassliebe zur "Arbeit“, die Reibung an „der Arbeit“ und mit dem Arbeitssystem zu beleuchten. Dabei wähle ich die Bühne bewusst als Mittel und möchte „der Arbeit“ wortwörtlich eine Bühne geben, um das Verborgene der Arbeitswelt sichtbar zu machen.

 

Laura Götz, Schauspielerin, hatte die Idee zum Theaterstück und führte Regie. Weiterdenken kooperierte mit ihr im Vorfeld für das Führen der vorbereitenden Interviews.

Soundcollage "Wenn ich an Arbeit denke, denke ich..."

"Wenn ich an Arbeit denke, denke ich..." Wie formiert Arbeit den Alltag und warum ist sie trotzdem - oder gerade deshalb - schwer fassbar? Die Soundcollage zeigt ein Stimmengewebe aus Antworten auf diese Frage.

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