Enorm aufgeheizter Asphalt und Beton. Wenig Grün, das Schatten spendet und für Abkühlung sorgt. Immer heißere und trockene Sommer, aber auch Starkregen-Ereignisse werden in Städten zur Gefahr. Wie mit Waldinseln für ein besseres Klima, Arten-, Wasser- und Hitzeschutz in der Stadt gesorgt werden kann, erklärt uns Juniorprofessorin Nora Huxmann.
Mini- bzw. Mikrowälder oder auch Tiny Forests sind ein Tool blau-grüner Infrastrukturen, also von Strukturen, die mit gezielt gepflanztem Grün Risiken, etwa durch Überschwemmungen nach Starkregen, sommerliche Hitzeperioden und anhaltende Trockenheit abmildern. Mehr entsiegelte und für Pflanzungen genutzte Flächen verbessern den Wasserrückhalt in der Stadt. Über das Grün verdunstetes Wasser kühlt in der sommerlichen Hitze. Soweit die Theorie.
Ganz praktisch wird es aktuell in Dresden. Hier haben sich Bürger*innen aufgemacht, mit dem Projekt "Mein Baum - mein Dresden 2.0" Miniwälder in die Stadt zu bringen. Es geht um 550.000 Bäume, eine Waldinsel für jeden Stadtteil. Wir sprachen mit Nora Huxmann, Juniorprofessorin an der TU Dresden, über das geplante Projekt und bisherige Erkenntnisse über Miniwälder.
Grit Ebert: Liebe Nora, du bist Gärtnerin, Planerin und widmest Dich im Rahmen einer Juniorprofessur an der TU Dresden, der Pflanzenverwendung in der Landschaftsarchitektur. Ich würde gerne mit dir heute einen Blick auf Dresden werfen. Dresden empfinde ich als eine sehr grüne Stadt. Trotzdem gibt es Anstrengungen, Dresden noch grüner zu machen. Vielleicht könntest Du uns erklären, warum Anstrengungen nötig sind, Dresden noch grüner zu machen.
Nora Huxmann: Du hast recht. Dresden ist sehr grün. Ich habe gestern mal die KI gefragt. Die sagt: Wir haben 62 % Grünflächen. Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber das Grün ist ungleich verteilt! Wir haben Stadtquartiere, die sehr dicht bebaut, sehr hoch versiegelt sind und wo wir eben wenig Grün haben. Und dann haben wir welche, die mit großen Grünflächen gesegnet sind. Insofern brauchen wir nicht überall mehr Grün, sondern in bestimmten Stadtteilen.
Und dann geht es natürlich auch immer um die Qualität der Grünflächen, die sich einmal durch die Ausstattung mit Vegetation ausdrückt, aber natürlich auch durch die Art, wie diese gepflegt wird. Besonders wertvoll sind natürlich große, gut eingewachsene Bäume und insofern auch alte Grünflächen. Das sollte uns aber nicht davon abhalten, mehr und neue Grünflächen zu schaffen. Denn Stadtgrün ist wichtig als Hitzeschutz, zur Gesundheitsvorsorge, für Regenwassermanagement und Biodiversität – also alles Themen, die du auch schon behandelt hast.
Und es geht um die Frage, welche sozialen Funktionen Grün auch einnehmen kann, die wir uns in Dresden eben auch immer wieder stellen müssen.
Grit Ebert: Kannst du Stadtteile benennen, die Du mit mehr Stadtgrün versehen würdest?
Nora Huxmann: Die Innenstadt ist natürlich sehr steinern, das wissen wir! Auch in der Neustadt haben wir nicht super viel Grün! Pieschen ist, glaube ich, auch noch ein Stadtteil, der relativ überhitzt ist. Aber Dresden hat diese wunderbaren Themenstadtpläne. Ich weiß nicht, ob du die kennst und schon gesehen hast? Kann ich jedem ans Herz legen! Da kann man sich z.B. die Überwärmung einzelner Quartiere anschauen, also mal schauen, wo man so wohnt und wie man wohnt.
"Wir gehen in eine unklare Zukunft. Und wir müssen uns und unsere Städte dafür fit machen, wie wir damit umgehen!"
(Nora Huxmann)
Grit Ebert: Auf www.dresden.de findet man sie. Genau!
Wir wollen uns ja heute über Miniwälder unterhalten und welche Rolle diese kleinen Wälder in Dresden spielen könnten. Die Frage ist: Was können sie denn leisten innerhalb einer Stadt und was nicht? Wo denkst du, können sie echte Verbesserungen bringen?
Nora Huxmann: Es ist ein Versuch, Wald, Waldklima und den Wald als Frischluftgenerator, von dem wir wissen, dass alles sehr wertvoll ist, zu übersetzen in eine Struktur, die wir in der Stadt abbilden können. Oft werden sie nach der sogenannten Miyawaki-Methode angepflanzt. Das ist, wenn man sofort in einen mehrschichtigen Aufbau geht und schnell einen Erfolg sieht, weil sich die Pflanzen gegenseitig aushelfen, also etwa durch Beschattung. Und das Interessante daran ist, dass man das eben sehr viel kleiner skalieren kann als das, was wir klassischerweise als Wald kennen. Damit können wir Restflächen oder auch schwierige Standorte bespielen und ehemals versiegelte Räume ganz andere Qualitäten bekommen! Die helfen lokal fürs Mikroklima und je nachdem, wie viel und in welcher Größe davon wir in einer Stadt unterbringen können, natürlich auch für das großräumigere Klima.
Sie sind aber kein Ersatz für alle anderen städtischen Grünflächen oder für Straßengrün usw., sondern es ist tatsächlich ein Baustein in Richtung einer klimaresilienten Stadt der Zukunft.
Grit Ebert: Du hattest gerade eben gesagt, dass die Miniwälder auch bei schwierigen Bodenverhältnissen eingesetzt werden. Wächst denn da überhaupt was?
Nora Huxmann: Nicht einfach so! Für die klassischen Miyawaki-Wälder würde man den Boden vorher verbessern, damit das so funktioniert und die Vegetationsstruktur relativ schnell self sustaining (selbst erhaltend) ist.
Grit Ebert: Wenn ich Wald höre, habe ich sofort einen Raum vor Augen, durch den ich hindurch schlendern kann. Aber da gibt es Unterschiede, wie ich das herausgehört habe. Miniwälder sind ja sehr kompakt bepflanzt. Das heißt also, man kann sie eigentlich nicht betreten. Ist das richtig?
Nora Huxmann: Das ist tatsächlich etwas, wo ich selbst auch häufig mitdiskutiere! Bei einem klassischen Miyawaki-Wald ist das Betreten nicht vorgesehen. Die Waldinsel in sich ist wirklich dicht. Meistens macht man sogar einen Zaun darum, um vor allem am Anfang, wenn alles noch ein bisschen vulnerabler ist, die Störung zu vermeiden.
Aber wenn man das Ganze jetzt landschaftsarchitektonisch, planerisch betrachtet, gibt es ja auch die Möglichkeit, nicht eine größere Insel zu gestalten, sondern vielleicht mehrere kleine zwischen denen man hindurch laufen kann. Und ich kann natürlich auch abgestuft vorsehen, welche Zonen als Biodiversitätszonen nicht betreten werden dürfen und welche ich zur Nutzung freigebe. Die Idee ist schon auch bei Stadtwald-Projekten, dass man Aufenthaltsflächen für Menschen schafft und ich halte das auch für sehr wichtig.
Grit Ebert: Absolut! Aber widmen wir uns noch einem zweiten wichtigen Thema! Dieser Podcast ist ja ins Leben gerufen worden, weil es hier ums Wasser geht. Und da ist natürlich meine Frage: Was kann denn so ein Mikrowald hinsichtlich des Wassers leisten?
Nora Huxmann: Im Fall einer Entsiegelungssituation habe ich den Boden geöffnet, so dass überhaupt erstmal Wasser wieder im Boden aufgenommen werden kann – Wasser, das sonst in die Kanalisation abfließen und aus der Stadt entfernt werden würde.
Ich habe dann die Pflanzen, die dieses Wasser natürlich aus dem Boden entnehmen und dann durch die Verdunstung, die sie betreiben, wieder in die Stadt abgeben. Dadurch kühlen sie die Stadt. Und dabei gilt: Je größer die Vegetation ist, um so größer der Effekt – also, Baum besser als Staude. Und wenn ich diesen Effekt schon bei einem Baum sehe, dann kann ich mir vorstellen, wie eine dicht bepflanzte Gehölzstruktur mit mehreren Schichten Vegetation dicht auf einer Fläche verteilt, diesen Effekt potenziert und wie sehr viel mehr Wasser dadurch in der Stadt gehalten werden kann.
Grit Ebert: Natürlich interessiert mich jetzt, ob es in Dresden schon einen Mikrowald gibt oder in welchen Städten Du welche wahrgenommen hast und wo Du sagen würdest, da läuft es gut.
Nora Huxmann: Wir haben in Dresden waldartige Strukturen, ja. Aber es sind jetzt keine Projekte, die tatsächlich als Mikro- oder Miniwald angelegt werden. Wobei es gerade eine Initiative gibt, die genau das gerne ins Leben rufen möchte. Dafür haben wir in Dresden auch eine gute Ausgangssituation, weil die Stadt grundsätzlich ein Interesse hat, unterschiedliche Klimaanpassungskonzepte auszuprobieren, dieses Projekt auch unterstützt und im Austausch ist. Also, es gibt experimentelle Baumpflanzungen.
Baumpatenschaften haben wir in Dresden auch. Und mit dem Forum Stadtgrün gibt es ein Austauschforum, wo versucht wird, Fachwissen von der Stadt immer wieder im Austausch mit der Praxis und der Wissenschaft zu diskutieren.
Das wichtigste sächsische Referenzprojekt sind die urbanen Wälder Leipzig. Die sind nicht unter dem Titel Miniwald gepflanzt worden. Aber es ist eines der wichtigsten Langzeitforschungsprojekte mit urbanen Wäldern, bei dem man an verschiedenen Standorten Wälder aufgepflanzt hat und die gute zehn Jahre jetzt im Monitoring ausgewertet wurden und man untersuchen konnte, wie sich das Stadtklima, der Wasserhaushalt, der Boden und die Biodiversität entwickelt. Und man hat auch die Erholungsnutzung und die Akzeptanz untersucht. Und das ist super spannend, weil das ja, wenn es so klein gepflanzt wird, gar nicht unbedingt sofort als Wald gelesen wird von Menschen. Und deswegen stellen sich Fragen wie: Wie kommuniziere ich das? Wie kann ich das verstetigen unter Einbezug der Bevölkerung?
Und dann gibt es natürlich auch schon wirkliche Miniwald-Projekte. In Frankfurt gibt es das Main-Wäldchen. Das ist ein öffentliches Tiny-Forest-Projekt, wo viel mit Schulen und Nachbarschaften zusammen geplant wurde. Es gab in Halle große gemeinsame Baumpflanzaktionen.
Wissenschaftlich ist in der Tiny-Forest-Bewegung das Tiny-Forest-Netzwerk in Großbritannien wohl am besten erforscht. Hier wurde ein wissenschaftliches Monitoring drübergelegt. Neben den Effekten, von denen man so mehr oder minder ausgeht, dass die Biodiversität sich erhöht, dass Versickerungsraten sich verbessern, wurden auch Fragen der sozialen Aktivierung und der Umweltbildung untersucht und man konnte feststellen, dass das auch dafür ein gutes Tool ist. Ja.
Grit Ebert: Sehr spannend! Ich blicke gerade aus dem Fenster und sehe da eine riesengroße Brache vor mir. Das ist der alte Leipziger Bahnhof. Ist das auch schon ein Miniwald – also, wenn man private Flächen einfach sich selbst und natürlich wachsen lässt oder gibt es Unterschiede?
Nora Huxmann: Ja, es ist nicht das gleiche wegen der bewussten Setzung. Aber ich würde das gerne nicht werten! Ich würde gerne sagen, dass auch Sukzessionsbegrünung (Flächen, auf denen sich Vegetation weitgehend frei entfalten kann, Anm. der Red.) definitiv ihre merits (Verdienste, Anm. d. Red.) hat. Ich denglische wieder so furchtbar heute. Das tut mir leid, liebe Menschen, die mir zuhören. Auch Sukzessionsbegrünung hat Vorteile, weil sich Arten natürlich aussäen, die besonders gut an diesen Standort angepasst sind. Und man kann auch durch ein gezieltes Management Sukzessionsgrün zu sehr wertigen Flächen heranziehen.
Der Unterschied zu den Miniwäldern ist eben die bewusste Setzung, die Artenzusammensetzung, die ich mir dafür überlege, dass sie besonders biodivers ist, dafür, dass sie klimaresilient sein möchte - eben auch in die Zukunft gedacht. Wir wollen ja im Idealfall, dass all unsere Bäume da geraume Zeit stehen können. Und ich habe eben diese besondere Dichte und diese besondere Schichtung, die ich mir gezielt überlegen kann. Das heißt in der Regel nur, dass es schneller geht.
Es sind einfach zwei unterschiedliche Richtungen, in die ich gehen kann. Ich glaube, wichtig ist ein guter Mix an unterschiedlichen Grünflächen, Grünflächenstrukturen. Und da können sowohl Sukzessionsflächen als auch Miniwälder eine Rolle spielen!
Grit Ebert: Okay, soweit die Theorie. Wer kann denn jetzt einen Mikrowald anlegen? Ist das eher die Stadt oder die Gemeinde oder kann das privat stattfinden? Auf wen müsste ich dann zugehen, wenn ich das privat machen möchte?
Nora Huxmann: Das ganz alleine zu machen, ist vielleicht schwierig. Aber es gibt private Initiativen - auch hier in Dresden! Worum es dann aber geht, ist die entsprechende Unterstützerstruktur zu finden. Wir haben hier in Dresden eine Graswurzelbewegung, also einen Zusammenschluss von Menschen, die Interesse daran haben, die sich mit Miniwäldern oder Waldinseln auseinandersetzt und die schon ganz aktiv dabei ist, Flächen zu finden und auch den Austausch mit der Stadt sucht. Das ist das Ding! Wenn man die Fläche nicht selber hat, dann muss man den Eigentümer dieser Fläche ja irgendwie mit ins Boot holen. Das ist hier mit der Stadt schon geschehen, auch für verschiedene Orte. Und dann gibt es unterschiedliche Vereine, Verbände, Expertisen, auf die man zurückgreifen kann. Das Projekt im Moment arbeitet in Gemeinschaft mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die sich eben auch mit Waldinsel-Projekten in die Stadt wagen, da einen großen Erfahrungsschatz haben und über die jetzt auch Förderungen beantragt werden können. Sie bringen sich auf dieser organisatorischen Ebene mit ein.
Aber ganz grundsätzlich: Man muss ja auch nicht immer gleich einen Wald pflanzen, vielleicht hat man ja auch erstmal ein Gebüsch oder sowas. Es ist durchaus so, dass man sich da einbringen kann. Und wenn man es jetzt noch kleiner denkt, also, was kann ich als Dresdner persönlich machen, gibt es sogar die Möglichkeit, sich Straßenbegleitgrün mit anzueignen. Man kann ganz offiziell bei der Stadt sagen, diese Fläche möchte ich in Zukunft pflegen und dann kann man sich sein eigenes Stückchen Grün, wo man sich austoben kann, auch holen.
Grit Ebert: Jetzt wechseln wir mal die Stadt. Es geht von Dresden nach Berlin. Hier hat das Berliner Abgeordnetenhaus im November 2025 das deutschlandweit erste Klimaanpassungsgesetz in Gestalt des „BäumePlus-Gesetzes“ angenommen. Dem ging ein Volksentscheid voraus, wo es hieß „Mehr Bäume für Berlin“, dem sogenannten Baumentscheid. Braucht das jede Stadt?
Nora Huxmann: Ich glaube, das Gesetz ist total wichtig, weil es Klimaanpassung verbindlich macht! Ich glaube, das ist das, was dieses Gesetz uns gibt. Es ist nicht wichtig, ob das aus Berlin kommt oder ob man eine Stadt ähnlicher Größe ist, ob man überall den Bürgerentscheid hat, sondern es ist ganz klar in diesem Gesetz geregelt, welche Ziele es gibt, wie die Zuständigkeiten sind und man schafft dadurch einen Umsetzungsdruck. Und wenn wir ehrlich sind, ist es das, was vielerorts fehlt!
Wir wissen ja im Grunde alle, dass wir in eine unsichere Zukunft gehen und dass wir tun müssen, was geht. Und das ist eben, was mittels dieses Gesetzes in Berlin jetzt geregelt wurde. Ich glaube, es gibt schon auch andere Tools. Man kann auch anders Verbindlichkeiten als Stadt schaffen. Ich würde sagen, das ist das Last Resort (letzter Ausweg, Anm. d. Red.), wenn man es nicht anders organisiert kriegt. Wenn man merkt, es funktioniert nicht oder es bleibt stecken, dann ist das natürlich was, was das anders festschreibt als nur so eine Absichtserklärung.
Grit Ebert: Okay, kann man auf jeden Fall mitnehmen. Hast Du konkrete Wünsche, was das Stadtgrün anbetrifft? Gibt es Wünsche, die du formulieren würdest hin in Richtung Kommune, in Richtung Länder, was eine blaugrüne Infrastruktur anbetrifft in Städten.
Nora Huxmann: Viele, sehr viele! Aber ich würde tatsächlich anfangen mit einem meiner Lieblingsthemen, dass wir jetzt immer nur so touchiert haben: die Pflege. Wir brauchen eine fachgerechte, gute Grünpflege, weil wir wissen, dass speziell jetzt, wenn wir die Gehölze angucken, so ein alter Bestandsbaum einfach unglaublich viel mehr Klimaleistung erbringt, auch für die Biodiversität relevanter ist als ein neu gepflanzter! Das heißt, es muss darum gehen, so einen Bestand zu schützen, zu sichern, zu entwickeln. Das wäre, was mir am allerwichtigsten ist - noch vor der Neuanlage.
Natürlich finde ich aber, dass wir auch Neuanlage brauchen und speziell im Bereich grünblaue Infrastruktur. Wenn wir mehr Wasser lokal halten wollen, dann müssen wir das natürlich entsprechend infrastrukturell möglich machen! Das heißt, Entsiegelung ist auf jeden Fall ein wichtiges Thema und ich kann Grünflächen ja auch gezielt als Wasserspeicher anlegen. Und auch das brauchen wir auf jeden Fall.
Was mir aber auch total wichtig ist, ist Umweltgerechtigkeit. Wir hatten es, dass die Stadtteile unterschiedlich versorgt sind. Wir sehen es immer wieder in Städten, auch weltweit, dass vor allem die sozialen Brennpunkte häufig die sind, die auch, was das Stadtgrün betrifft, unterversorgt sind. Da wünsche ich mir von den Städten und Kommunen ein waches Auge und irgendwie gute Entwicklungsstrategien, um Umweltgerechtigkeit umzusetzen in Städten!
Und dann stellen sich immer wieder diese Frage der Partizipation, des kreativen Prozesses und der Kooperation. Für mich an der Uni ist es unglaublich wichtig, in der Praxis kooperieren zu können, echte Projekte sehen und umsetzen zu können. Und ich glaube, das kann und muss sich auch immer wieder gegenseitig befruchten, weil es überhaupt nichts nutzt, wenn ich mir in meinem Elfenbeinturm überlege, wie Stadtgrün gut aussieht. Es muss draußen ausprobiert, gebaut und gepflegt werden und wir alle zusammen müssen schauen, was funktioniert und wie.
Wir gehen in eine unklare Zukunft. Und wir müssen uns und unsere Städte dafür fit machen, wie wir damit umgehen!
Nora Huxmann:
Nora Huxmann ist Staudengärtnerin (gelernt bei Gräfin von Zeppelin) und Pflanzenverwenderin von Herzen. Landschaftsarchitektur hat sie in England (University of Gloucestershire) und Kassel studiert.
Nach Tätigkeiten in verschiedenen Büros (Pegasus Planning Group, Forschungsstelle für Frei- und Spielraumplanung....) entschied sie sich zur selbständigen Tätigkeit als Beraterin für Stadtgrünfragen – parallel zu ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit an verschiedenen Hochschulen (Mitarbeiterin Uni Kassel, Nachwuchsprofessorin und Lehrkraft für Besondere Aufgabe Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, auch wissenschaftliche Leitung des Botanischen Gartens Höxter).
Seit 2023 ist sie als Juniorprofessorin für Pflanzenverwendung in der Landschaftsarchitektur an die TU Dresden berufen. Ihre Schwerpunkte sind neben der standortangepassten Pflanzenverwendung Fragen lebenswerter, klimawandelresilienter Städte und der besondere Wert von „Grün" für die Gesundheit. Dies untersucht sie im städtischen wie ländlichen Raum, in Strukturwandel wie zunehmender Verstädterung. Bei all ihren Themen sieht Nora Huxmann Entwicklung und Management von Vegetation als Kernanliegen.
Das Interview führte Grit Ebert im Mai 2026.
Weiterführende Informationen:
- Themenstadtplan der Stadt Dresden
- Projekt "Mein Baum - Mein Dresden 2.0"
- TU Dresden, Professur für Pflanzenverwendung