Politisch Handeln im autoritären Sog: UNGEHORSAM

In Anbetracht der aktuellen Lage und nach reichlicher Überlegung haben wir uns dazu entschieden, die Tagung diesen Freitag in Leipzig abzusagen. Damit Ihre Vorfreude auf die Tagung nicht umsonst gewesen sein soll, sind wir bereits in Gesprächen über einen möglichen Nachholtermin – voraussichtlich Anfang nächsten Jahres.

Ungehorsam macht Ungerechtigkeit und den Protest dagegen sichtbar. Mit Mitteln des Ungehorsams haben sich viele Gruppen in unserer Gesellschaft erst Gleichberechtigung erkämpft. Ungehorsam hat darüber hinaus ein emanzipatorisches Potential, er birgt die Möglichkeit für neue Ideen und politische Veränderungen.

Zurzeit scheint das für Sachsen in weiter Ferne. Die Forderungen und Parolen rechtspopulistischer und neo-faschistischer Bewegungen münden vermehrt in autoritäre Politik. Politische Initiativen und Zivilgesellschaft stehen unter Druck, ihre Tätigkeiten unter Verdacht. Selbst das Retten von Menschenleben im Mittelmeer kann ein Akt des Ungehorsams sein. So gilt gerade im autoritären Sog: Demokratie lebt vom Ungehorsam.

Auf der Tagung wollen wir die Fragen diskutieren, wie viel Ungehorsam die Demokratie braucht, welches utopische Potential sich in Formen des Ungehorsams verbirgt und was Ungehorsam im autoritären Sog bedeutet.

Programm

9.30 Uhr Ankommen und Anmeldung

10 Uhr Begrüßung

10.15 Uhr Vortrag und Diskussion
Demokratien als riskante Ordnungen – Was heißt 'Ziviler Ungehorsam' im autoritären Sog?
mit PD Dr. Julia Schulze Wessel, Politikwissenschaftlerin
Der Vortrag wird in Deutsche Gebärdensprache übersetzt

11.45 Uhr Überblick über die Workshops und Organisatorisches

12 bis 13 Uhr Mittagspause

13 Uhr bis 16.15 Uhr Workshop-Phase mit Pause

16.15 Uhr gemeinsamer Abschluss mit Chor

eine gemeinsame Tagung von  Kulturbüro Sachsen, Netzwerk Tolerantes Sachsen und Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, gefördert von der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig und dem Sächsischen Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“*. (*vorbehaltlich der Förderung)

Informationen

Datum: 20. März 2020 · 9.30–16.30 Uhr
Ort: Mediencampus Villa Ida · Poetenweg 28 · 04155 Leipzig

Programmflyer als PDF

Vortrag

Demokratien als riskante Ordnungen - Was heißt "ziviler Ungehorsam" im autoritären Sog?

In ihrem berühmten Essay „Was heißt Verantwortung unter einer Diktatur“ plädiert Hannah Arendt dafür, das Wort ‚Gehorsam‘ aus dem Bereich der Politik zu streichen. Es widerspreche der grundsätzlichen Freiheit der Menschen, das gilt für Arendt auch unter den Bedingungen totaler Herrschaft. Diese Freiheit drückt sich für sie nicht nur im widerständigen Handeln, sondern auch in der Verweigerung und dem Entzug aus.

Können diese Überlegungen auf demokratische Ordnungen übertragen werden? Streichen wir den Gehorsam aus der Politik, ist es der zivile Ungehorsam, der als entscheidende demokratische Qualität gelten muss? Oder können auch der Entzug und die Verweigerung für Demokratien fruchtbar gemacht werden?

In dem Vortrag werden diese Fragen verhandelt und die Demokratie als eine riskante Ordnung vorgestellt, die durch die menschliche Freiheit immer wieder aufs Neue herausgefordert wird.

Vortrag und Diskussion mit PD Dr. Julia Schulze Wessel, Politikwissenschaftlerin, ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Demokratietheorie, Grenzen der Demokratie, Partizipation, Flucht und Migration

Der Vortrag wird in Deutsche Gebärdensprache übersetzt.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Rückblick: Politisch Handeln im autoritären Sog im Jahr 2019

Was ist eure Botschaft gegen den autoritären Sog? Das haben wir unsere Gäste auf der Tagung gefragt. Gün Tank, Geschäftsführerin der Neuen Deutschen Organisationen, sprach als Podiumsgast mit uns darüber. Für sie begann der autoritäre Sog der Ausgrenzung schon in den 1970er Jahren. Wichtig sei jetzt Solidarität und gegenseitige Unterstützung etwa der feministischen Bewegung und der postmigrantischen Bewegung gegen Rassismus, zum Beispiel wenn es um Antidiskriminierung und Gleichberechtigung in Institutionen geht.

Hier geht es zu allen Videobotschaften für politisches Handeln

Im Sog von rechtspopulistischen und (neo-)faschistischen Bewegungen werden politische Initiativen und Zivilgesellschaft immer mehr mit autoritärer Politik konfrontiert. Auf der Tagung haben wir über diesen autoritären Sog gesprochen und Kritik geübt.

Darüber hinaus wollen wir progressive und demokratische Perspektiven stärken. Dazu haben wir uns zivilgesellschaftlichen Visionen und Ansatzpunkten für das gesellschaftliche Zusammenleben und für politisches Handeln gewidemt, dem Engagment in der Nachbarschaft, im Internet und in der städtischen Öffentlichkeit.

Hier finden Sie Audio-Mitschnitte der Vorträge auf der Tagung, Ergebnisse von Workshops und Video-Botschaften gegen den autoritären Sog.

Eine gemeinsame Tagung von Netzwerk Tolerantes Sachsen, Kulturbüro Sachsen und Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Die Vorträge zum Nachhören

Ausstellung auf der Tagung

Lese-Empfehlung

Programm

9:30 Uhr Ankommen und Anmeldung

10 Uhr Von der Reaktion auf Rechtspopulismus zu eigenen Visionen
Begrüßung und Podiumsgespräch mit Gün Tank (Neue Deutsche Organisationen)

11:30 bis 13 Uhr Input-Phase theorie
Inputs Zusammenstehen oder Streiten oder Standhalten im Sog
11:30 bis 13 Uhr Kommunal gestalten: Austausch und Vernetzung für Aktive in der Kommuanlpolitik

14 bis 16 Uhr Workshop-Phase praxis (zu jedem Input gibt es zwei alternative Workshops)
14 bis 16 Uhr Kommunal gestalten (Fortsetzung)

16 bis 16:30 Uhr gemeinsamer Abschluss im Plenum